Orientierungslosigkeit – zwischen Ordnungswahn übertriebener Hygiene und Entspannung

Heute mal wieder etwas ganz Persönliches.

Ordnung ist das halbe Leben

…heißt es doch immer so schön. Und wie so oft denke ich, dass es Ansichtssache ist.
Die ersten 25 Jahre meines Lebens wurde mir immer wieder gepredigt, räum Dein Zimmer auf, mach das so und jenes anders… warum räumst Du es nicht gleich weg? usw. Kennt glaube ich fast jeder.

Nicht, dass man bei uns zuhause nicht vom Boden hätte essen können, aber selbst als ich nach dem Studium, wieder in der Heimat, in meine eigene Wohnung zog, kam hier und da mal meine Oma vorbei „um mir zu helfen“ – immerhin hatte ich einen Fulltime Job, mit einem Haufen Überstunden und gesundheitlich… naja. Ich glaube meine Großeltern waren die Einzigen die damals annähernd erahnten, wie es mir wirklich ging.
Erfolg zeichnet sich ja schließlich nicht auf dem blitzblank sauber glänzenden Fußboden ab, sondern auf dem Kontostand am Monatsende…

Jedenfalls wars meiner Oma nicht ordentlich genug. Ich hab nicht wöchentlich gewischt, wieso auch, war ja eh quasi nur zum Schlafen zuhause, daher blieb auch regelmäßig das Geschirr stehen, bis ich mir endlich die heiß ersehnte Spülmaschine geleistet habe. Konnte ja meiner Oma ‘nicht so viele Sorgen machen’ und blöd kam ich mir auch dabei vor, wenn sie unbedingt abspülen oder Boden wischen wollte. Sie meinte es ja nur gut… (<3 Danke an meine Omi an dieser Stelle)

Ordnung – Dauerthema in Beziehungen

Nachdem das dann auch noch in einer Beziehung zum Thema wurde, der Gute kam vom Land, wohnte in einem Mehrgenerationenhaus, mit Vater und Oma…

Mühevoll hab ich mir also in späteren Jahren etwas mehr Ordentlichkeit antrainiert. Vermutlich immernoch unterhalb des Anspruchs ordentlicher Deutscher Hausfrauen.
a la täglich staubsaugen, einmal im Monat Fenster putzen, jeder Wassertropfen muss sofort weggewischt werden…

Kreative Chaoten und Ordnung

Aber HEY als Künstler und kreativer Chaot liegen die Prioritäten eben wo anders! Da gehört etwas Unordnung unbedingt dazu. Denn nur ein Genie beherrscht sein Chaos und sowas wie Langeweile kenne ich nicht. Die Ideen sprudeln nur so in meinem Kopf, sodass ich manchmal sogar traurig bin, dass ich sooooo vieles davon nicht schaffe umzusetzen. Beruhigend ist nur, dass ich noch so 50-70 Jahre vor mir habe und das ist verdammt nochmal genug Zeit noch einiges auf die Beine zu stellen und zu erleben.

lähmender Perfektionismus

Nähen, zeichnen, basteln, handwerkln oder in der Küche irgendwas Cooles machen. Dazu kommt immer der tief eingeprägte Perfektionismus aus der Kindheit. Anerkennung und Bewunderung ist der Antrieb, der einen etwas weiter machen lässt und der vielleicht sogar zu Größerem anspornt.

Das kann aber genauso das Gegenteil bewirken. Höher, weiter, immer mehr!
Irgendwann wird man seinen eigenen Ansprüchen in dieser Leistungsgesellschaft nicht mehr gerecht. Vor allem nicht, wenn man eine unsichtbare Krankheit hat. Äußerlich scheint man fit, weder Rollstuhl, noch war jammern mein Ding. Keiner gibt gerne Schwäche zu, schon gar nicht mit Mitte 20. Allzugerne wird man deswegen als faul abgestempelt. Nachteulen und Spätaufsteher wie ich, sind ja prädestiniert in diese Schublade gesteckt zu werden.

Meine Devise damals:

Die Zeit, aus der ich wohl nach wie vor vieles verdränge. Man muss funktionieren, alles perfekt machen und auch noch besser als alle anderen sein. Ein Kartenhaus, bei dem beim kleinsten Windstoß der Einsturz vorprogrammiert ist.

Dann kam der Mann, der alles auf den Kopf stellte. Das Herz will, was das Herz will.
Jetzt bin ich oft am Rande des Wahnsinns, denn um in Punkto Ordentlichkeit auf einen Nenner zu kommen, liegt noch viel Arbeit vor uns. Ich hab auf alle Fälle wieder angefangen, das Ganze ruhiger angehen zu lassen. Aber dennoch… man wurde so erzogen dem Anspruch gerecht zu werden und seien wir doch mal ehrlich, die Sauberkeit in Deutschland ist schon wesentlich angenehmer als ein staubig, sandig, erdiges Umfeld. Oder ist das nur Gewöhnung?

Übertriebener Ordnungswahn?

Regelmäßig frage ich mich, übertreibe ich? Dann lass ichs mal ein paar Tage gut sein, (ein bisl in der Hoffnung von anderer Stelle etwas Hilfe genießen zu dürfen,) dann wächst mir der Berg an Arbeit irgendwann über den Kopf und ich machs doch wieder selber. Immerhin liegen mir die prägenden Worte noch in den Ohren “schämst Du Dich nicht, wenn Besuch kommt”… nee, ich bekomme keinen Besuch. Aber trotzdem.
Wie bei kleinen Jungs, die sich fragen… wieso soll ich mich waschen? Ich werd ja eh wieder dreckig. Trotzdem ist sich zu waschen sinnvoll. Wenn auch nicht das tägliche steril machen, wie es heutzutage üblich ist. Aber Körperpflege ist ein anderes Thema.

Eigene Ansprüche und gesellschaftstauglich sein

Bin nun ich das Problem, die Ansprüche der Gesellschaft oder dieses typisch männliche Nichtstun, was ich vorher SO noch nie erlebt hatte und immer für eine Art Mythos hielt?
Nein, ganz so schlimm ists natürlich nicht! Auch wenn mich hier und da mal das Gefühl beschleicht, dass ich alles alleine mache. Wie so oft ist es nur in unseren Köpfen…
[Anm. d Red.: Entschuldigung, wenn ich hier so aus dem Nähkästchen plaudere, das ist schließlich keine Wertung sondern nur eine Vielfalt der Gedanken, die mir so manchmal durch den Kopf schwirren.]

Zwischen den Stühlen zu stehen ist trotzdem scheiße. Wem mach ich es nun recht? Meinem antrainierten Wohlgefühl oder lege ich die Prioritäten woanders hin? Fragen über Fragen…

Inmitten einer Baustelle zu leben, das dauernd hämmernde Gefühl mehr Geld verdienen zu müssen (es ist ein großer Unterschied zwischen ‘müssen’ und Spaß daran zu haben!), gesund leben zu wollen, kochen, putzen, Garten, das Loslassen und den Minimalismus vorantreiben wollen… irgendwo verstrickt man sich dann doch wieder in einem Teufelskreis. Die Frage bleibt, wie bricht man endgültig aus? Wie kümmert man sich dann noch um sich selber und folgt seinem Herzensweg?

Auf irgendeine Weise beschleicht mich abermals der Verdacht, dass ich das in Deutschland GEGENWÄRTIG nicht schaffe.

Meine Ansprüche sind inzwischen andere. Natürlich bleibt mir mein Sinn für Ästhetik und die Design Ambition, aber ich brauche keine 200 qm mehr. Und ich kann mir nicht mehr vorstellen, all meine Nahrung aus sterilen Plastikverpackungen, genormten Supermarkt’sortimenten’ oder überteuerten Bioläden zu beziehen.

Lieber wäre mir ein TinyHouse im grünen Permakulturgarten, aus dem ich mich ganzjährig nahezu selbst versorgen kann. Immer frische Wildkräuter vor der Tür, ohne ‘Desperate Housewifes’-Nachbarn, die sich über die Brennnesseln (das Allerleckerste was ich mir in der Stadt vorstellen kann! Ich steh voll auf das Zeug! Gibts täglich) und den heilenden Löwenzahn aufregen.

Das sind indes Ansprüche, die sich in Deutschland nur schwer umsetzen lassen. Dabei ist es das Natürlichste auf der Welt. Früher war das jedenfalls auch hier der Standard.

Falsches Mindset? – Der radikale Mittelweg

ABER da ist ja noch mein Mindset! Das Eine oder doch das Andere? Schwarz oder Weiß – eigentlich möchte ich bunt! Das war schon immer meine Lieblingsfarbe. Warum muss man sich in unserer Gesellschaft immer für eine Sache entscheiden? Es gibt schließlich IMMER einen Mittelweg. Auch wenn es Menschen gibt, die sich das nicht vorstellen können.

Meine männliche Seite, die des Verstandes, geradlinig und logisch, die ist noch sehr präsent und tief prägend. Dabei ist es viel spaßiger im Kreis zu tanzen, als nur immer geradeaus zu gehen.
Notiz an mich: Tanzende Kreise mit geraden Linien verbinden, um so meinen eigenen Weg zu finden. Dafür muss man dann eben manchmal ein paar Schritte zurück gehen. Klingt gut? Klingt gut!

Wie stehst Du dazu? Lass uns doch gerne einen Kommentar da!

In diesem Sinne, auf einen buntigen Herbst!

xoxo Mimmy

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